Linux in der Schule

Dieser Artikel steht unter der GNU Free Documentation Licence

Matthias Kabel <matthias.kabel@tyche.de>

1  Vorüberlegungen

In den Betrachtungen, warum Linux oder auch andere freie Unices wie Free/Open/Net-BSD, in der Schule eingesetzt werden sollten, überwiegen normalerweise die technischen und finanziellen Aspekte. Auf diese soll im weiteren Verlauf nur kurz eingegangen werden. Ein anderer wichtiger Aspekt wird meines Erachtens viel zu wenig betrachtet, nämlich die pädagogische Komponente des Einsatzes von freier Software.

1.1  Rechtsschutz für Software und andere technische Güter

Um diesen Aspekt würdigen zu können, sind zunächst ein paar grundsätzliche Überlegungen zu freier Software nötig. Normalerweise ist Software durch das Urheberrecht geschützt, und der Ersteller, der Zeit in diese Software investiert hat, hat so die Chance, für seine Mühe mittels Lizenzgebühren oder Verkauf der Software entschädigt zu werden. Dies fügt sich auch in unser Wirtschaftssystem ein, in dem jeder für seine Leistung honoriert werden soll und niemand die Leistung eines anderen einfach wegnehmen darf. Allerdings ist zu beachten, daß gewisse Dinge, vor allem wissenschaftliche Erkenntnisse, nicht monopolisierbar sind.

Vergleichen wir nun den Schutz von Software mit dem sonstigen gewerblichen Rechtsschutz, insbesondere dem Patent- und Gebrauchsmusterschutz. Der Patentschutz wurde genau zu diesem Zweck geschaffen, nämlich die schöpferischen Leistungen einzelner, seien es Firmen oder Einzelpersonen, zu schützen und dem Erfinder die Möglichkeit zu geben, für eine bestimmte Zeit die evtl. Erträge aus der Erfindung zu erzielen. Eine weiterer Zweck des Patentwesens ist die Veröffentlichung von technischem Wissen, jede Patentschrift wird offengelegt und kann von jedem eingesehen werden. Dadurch werden einerseits doppelte Entwicklungen vermieden und andererseits muß der Erfinder seine Erkenntnisse nicht geheimhalten, da er für eine gewisse Zeit das alleinige Nutzungsrecht für seine Erfindung haben kann.

Dieser Aspekt wird von der Industrie natürlich nicht allzusehr betont, aber im Prinzip ist es möglich, daß jeder sich über den Inhalt von ca. 30 Millionen Patentschriften in einer Datenbank informiert und so seine eigenen technischen Kenntnisse verbessert.

Und da sind wir auch schon bei einem wichtigen Unterschied, das Patent muß zum einen angemeldet werden, zum anderen ist jedes Jahr eine Gebühr zu entrichten, die bis zum Ende der Laufzeit stetig ansteigt. Der Gesetzgeber hat nämlich berücksichtigt, daß Erfindungen, die lange Zeit nur von einem benutzt werden dürfen den technischen Fortschritt aufhalten und hat so versucht, einen Kompromiß zwischen dem berechtigten Interesse des Erfinders und dem Interesse der Gemeinschaft zu finden.

Weiterhin sind Entdeckungen, wissenschaftliche Theorien und mathematische Methoden vom Patentschutz ausgenommen.

Hier überwiegt die Absicht des Gesetzgebers, den technischen und wissenschaftlichen Fortschritt nicht aufzuhalten vor dem Schutzinteresse des Entdeckers.

Das gesamte Patentrecht versucht also den Spagat zwischen dem Schutz der schöpferischen Leistung des einzelnen und dem Bestreben, das Wissen der gesamten Menschheit zur Verfügung zu stellen.

Im Urheberrecht ist das nun anders, ab einer gewissen Schöpfungshöhe genießt das Werk automatisch Urheberrecht und zwar bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers (§64 UrhG). Eigentlich interessant, daß der evtl. Ertrag einer urheberrechtlichen Leistung wesentlich länger den Erben zukommen soll als bei einer rein technischen Erfindung. Ich habe dafür leider keine Begründung gefunden.

Dabei gilt (noch) nur die konkrete Ausformung des Programms als schutzwürdig, nicht der Algorithmus selbst. D.h. wenn ich mir ein Programm ansehe und einem anderen schildere, wie es mit welchem Ergebnis auf welche Eingabe reagiert und dieser schreibt ein äquivalentes Programm, so unterliegt dieses Programm nicht mehr dem Urheberrecht des ursprünglichen Autors (Clean room Entwicklung). Allerdings gibt es allmählich auch in Europa Bestrebungen, die US-Praxis, in der wesentlich mehr monopolisierbar ist, zu übernehmen.

D.h. der Schutz von Software reicht eigentlich weiter, als der anderer, materieller, Erfindungen und ist leichter und kostengünstiger zu erreichen, obwohl die Softwareentwicklung wesentlich näher an einer nicht schützbaren mathematischen Methode liegt, als bspw. ein neues Uhrwerk. Dabei braucht man gar nicht nur an mathematische Modelle zu denken, Software ist nun die konkrete Lösung bestimmter Probleme. Zerlegt man nun größere Probleme hinreichend, so kommt man zu universellen Problemstellungen, die in einer Vielzahl von Programmen verwendet werden können. So ist die effektive Lösung des Hinterschneidungsproblems in Spielen, CAD, oder Visualisierungssoftware verwendbar, vielleicht wird es auch in absehbarer Zeit eine dreidimensional aufgebaute Bedienoberfläche geben, die dann ebenfalls derartige Algorithmen benötigt. D.h. Software kommt wissenschaftlicher Erkenntnis an sich wesentlich näher als bspw. die Herstellung bestimmter Molekülverbindungen.

Durch ein weitgehendes Verbot von reverse-engeneering ist es auch z.B. nicht erlaubt, selbst Verbesserungen an der Software vorzunehmen. So könnte ich mit dem oben erwähnten Uhrwerk zu jedem Uhrmacher gehen und mir Zeiger mit größerer Leuchtkraft für die Nacht montieren lassen. Ein Austausch von Icons in einer Standardsoftware ist hingegen nicht erlaubt.

Auch ist der private Nachbau von Patenten erlaubt, wenn es hingegen nach manchen Softwareherstellern ginge, so dürfte ich nichteinmal entscheiden, auf welchem Rechner ich die Software installiere.

D.h. der Nutzer von Software begibt sich völlig in die Hand des Herstellers, er hat nur die Möglichkeit, Veränderungen zur Herstellung der Kompatibilität mit anderer Software vorzunehmen, doch scheitert dies in der Praxis regelmäßig am Fehlen des Quellcodes.

Man kann nun dagegen einwenden: ,,Was soll jetzt daran schlecht sein, wenn die Software nichts taugt, verkauft sie sich nicht. Wenn bestimmte Dinge von genügend Benutzern gewünscht werden, werden sie schon eingebaut werden. Der Markt regelt das schon''

Der Markt regelt das schon, wenn genügend Leute für eine zusätzliche Funktion bezahlen wollen. Aber wenn nur eine kleine Minderheit das will, oder es sehr dringend gebraucht wird, sieht es schon schlechter aus. Im Prinzip reicht es, wenn der Hersteller der Software keine Lust hat, die einzige Möglichkeit, die dann noch bleibt, ist, das Programm komplett neuzuschreiben.

Die Einflußmöglichkeiten der Benutzer beschränken sich darauf, mit Geld, u.U. mit sehr viel Geld zu wedeln. Insbesondere bei Software, die eine weltweite Verbreitung hat, kann der Hersteller es sich leisten, einige Kundenkreise und deren Wünsche zu ignorieren, da auch so ausreichend Geld verdient wird.

Eben diese Einschränkung der Einflußmöglichkeiten auf Bezahlung halte ich für schlecht. Es sind bei uns Tendenzen zu beobachten, daß sich immer mehr die Einschätzung durchsetzt, alles ließe sich mit Geld regeln. Und daraus resultierend, daß sich ohne Geld nichts mehr regeln ließe. Sicherlich ist Geld gemünzte Freiheit, doch viele Dinge lassen sich mit Geld eben nur ungenügend regeln, vielfach wäre ein persönlicher Einsatz wesentlich hilfreicher und vielleicht manchmal auch für den Helfer selbst befriedigender.

1.2  Freie Software

Hier kommt nun freie Software ins Spiel. Freie Software bedeutet eben nicht nur, daß der Quellcode offenliegt und der Benutzer das Recht hat, kostenlosen Tester und Verbesserer für den Hersteller zu spielen, sondern, daß das Wissen, was in der Software steckt voll und ganz an den Nutzer weitergegeben wird. Ob dieser etwas damit anfangen kann ist etwas anderes, aber er hat die Chance dazu.

Weiterhin ist wichtig, daß der Nutzer alle Rechte an der Software erhält, er bekommt nur eine einzige Auflage, er muß diese Rechte ebenfalls weitergeben, wenn er das Programm, modifiziert oder unverändert, weitergibt. Damit ist sichergestellt, daß niemand unberechtigten Profit aus der Leistung eines anderen zieht. Außerdem ist sichergestellt, daß jeder Benutzer das Programm ansehen, kopieren, verändern oder als Vorlage für eigene Werke nehmen kann.

Diese Wissensweitergabe ist ein enorm wichtiger Aspekt, sicherlich kann nur ein kleiner Kreis der Empfänger etwas direkt damit anfangen. Doch auch dies trägt zum allgemeinen Fortschritt bei. Wer interessiert ist, kann sehen, wie andere Probleme gelöst haben, Vielleicht läßt sich diese Lösung noch verbessern oder auf ähnliche Problemstellungen übertragen.

1.2.1  Freie Software versus open source

Ich halte die Weitergabe von Wissen für den wichtigsten Aspekt an freier Software, nicht nur die reine Information, sondern eben auch die Erlaubnis etwas mit dieser Information anfangen zu dürfen. Hier liegt auch der fundamentale Unterschied zu open source, der gerne übersehen wird. Bei open source darf ich mir den Quellcode ansehen, aber wenn ich eine Verbesserung habe, dann darf ich sie nur an den Hersteller schicken, vielleicht baut er sie ein, vielleicht auch nicht. Mit freier Software ist das anders, wenn der Hersteller das nicht einbaut, gebe ich eine eigene Version heraus, oder jemand anders sammelt die verschiedenen Verbesserungen und entwickelt so das Programm weiter, wenn es der ursprüngliche Hersteller nicht mehr tut.

Freie Software ist eben nicht nur der Kostenaspekt (das frei ist nicht das gleiche frei wie in Freibier), sondern die Erlaubnis, selbst zu handeln und mich nicht in die Vormundschaft einzelner Hersteller bringen zu lassen.

(Jetzt kann ich mir den kleinen Seitenhieb nicht verkneifen: Diese Abhängigkeit ist natürlich besonders unangenehm, wenn der Hersteller der Programme ständig Gerichtsverfahren wegen, hm, unschöner Geschäftspraktiken am Hals hat. Wenn dieser dann noch auf Grund seiner fast Monopolstellung über 40% Gewinn vom Umsatz einfährt, zeigt das, daß hier der Markt doch nicht so gut alleine funktioniert.)

Wenn ich mit kommerzieller Software arbeite, weiß ich nicht, was mit den Daten passiert, ob ich sie morgen noch verarbeiten kann. (Wer schon einmal versucht hat, längere Word-Dokumente zwischen verschiedenen Versionen auszutauschen, wird offene Standards zu schätzen gelernt haben)

2  Positive Effekte beim Einsatz freier Software

2.1  Ein Beispiel aus der Praxis

Ein kleines Beispiel aus meiner Erfahrung. Vor ein paar Jahren hatte ich einen Internetzugang, bei dem die Telefonkosten nach Zeit abgerechnet wurden. Um die Kosten nicht ins Unendliche anwachsen zu lassen, und vor allem die sehr lange andauernde Gebührenimpulse ( 6 Minuten) gut ausnützen zu können, verwendete ich das Programm pppcosts, das mir alle Informationen anzeigte und vor dem nächsten Impuls eine kleine Warnung ausgab. Nun änderte die österreichische Post das Gebührenmodell. Hm, blöd, was mach ich jetzt mit dem Programm? Normalerweise hätte ich darauf warten müssen, bis der Hersteller sich dazu bequemt, die Gebührenimpulse anzupassen, evtl. wäre das auch mit einem kostenpflichtigen Versionswechsel verbunden gewesen. (Ich komm einfach doch immer wieder zu den Kosten!) Da das Programm unter der GPL steht, habe ich mir den Quellcode geholt und mal angesehen. Die Codierung der Gebühreninformation war sogar mit meinen sehr beschränkten C-Kenntnissen sofort durchschaubar und leicht zu ändern. Am nächsten Abend lief das Programm mit den neuen Gebühreninformationen. Damit auch andere etwas davon haben, habe ich die neuen Teile an den Autor nach Deutschland geschickt. Einige Zeit später bekam ich eine Mail aus der Schweiz, der Absender hatte die Weiterpflege des Programms übernommen, ich möchte bitte die Gebühren für Österreich überprüfen, bevor er die nächste offizielle Version rausbringe. Diese Mail ging aber nicht nur an mich, sondern in fast alle Länder Europas. Irgendwo in Irland, Kroatien und anderen Ländern saßen also auch Leute, die das gleiche wie ich gemacht hatten und nicht abgewartet hatten, bis irgendjemand einem Mißstand abhilft, sondern die selbst etwas getan hatten und in der Schweiz saß jemand, der noch etwas mehr Zeit investieren wollte und das ein wenig koordiniert hat.

(Da ich inzwischen einen Pauschalpreis für meinen Internetzugang habe, weiß ich nicht, wie sich dieses Programm weiterentwickelt.)

Ich finde, diese Beispiel zeigt sehr schön, wie freie Software funktioniert. (Open source hätte übrigens nicht gereicht, da die Übernahme eines verwaisten oder nur noch schlecht betreuten Programms nicht so einfach möglich wäre)

2.2  Schlußfolgerungen

Was man zum einen an diesem Beispiel sehen kann, ist, wie ein bißchen Engagement eines einzelnen zum Gelingen eines größeren Projekts beiträgt, und dieses Projekt trägt wiederum zu größerer Attraktivität des Projekt GNU bei. Zum anderen kann man die internationale Zusammenarbeit sehen, es spielt keine Rolle wo jemand herkommt, welchem Geschlecht, Altersgruppe oder Rasse er angehört, jeder trägt das, was er kann bei und ist sich der Anerkennung aller Beteiligten sicher. Durch die geschickte Lizenz, der GPL, kann auch niemand ausgeschlossen werden, was in der Szene sowieso undenkbar wäre.

Nun kann man einwenden: ,,Ja, aber die wenigsten können C-Programme schreiben.'' Das Mitmachen beschränkt sich auf doch sehr wenige. Es ist aber keineswegs erforderlich, daß programmiert werden muß. Es muß getestet werden, es muß Dokumentation geschrieben und übersetzt werden. Die Programmierer brauchen auch eine Rückkopplung zu den Anwendern, gerade von Computerlaien, die sich eben nicht sofort zurechtfinden. Die Dokumentation muß auf Verständlichkeit geprüft werden, das kann nur der Laie machen, für den Ersteller eines Programms sind die Lücken in der Dokumentation verschmerzbar, für den Anfänger nicht.

Ich finde, dieser Aspekt, ich kann etwas tun, ich muß nicht darauf warten, daß sich jemand bequemt mein Geld entgegenzunehmen, ist etwas, was unbedingt berücksichtigt werden muß.

2.3  Vorschläge für den Einsatz freier Software in Schulen

Mit freier Software können einzelne oder Arbeitsgruppen nicht nur relativ zweckfreie Programme wie die tausendste Implementierung eines Sortierverfahrens betreiben. Man kann damit richtige Erfolgserlebnisse schaffen.

Es kann an bereits bestehenden Projekten mitgearbeitet werden. Ein guter Ausgangspunkt ist z.B. www.sourceforge.net, dort werden z.Z. etwa 16.000 freie Projekte gespeichert, es gibt für fast alle Zwecke in fast allen Programmiersprachen etwas.

Es muß aber nicht unbedingt eine Programmierarbeit sein. Viele Projekte beinhalten nur unzureichende Dokumentation oder diese ist nur in einer Sprache vorhanden. Es muß auch nicht ein Software-Projekt sein, auch internationale Seiten wie www.debian.org freuen sich, wenn sie in dieser Hinsicht Unterstützung erhalten. Es gibt auch ein eigenes Linux Documentation Project, in dem noch viele Übersetzungen fehlen, oder die Linux Gazette, die in mehreren Sprachen erscheint.

Dabei müssen Übersetzungen nicht nur in eine Richtung ablaufen, für ein Projekt der Schule ist sicherlich eine Dokumentation in mehreren Sprachen auch kein Fehler.

Hier ist auch eine echte Gruppenarbeit möglich, Deutsch- Englisch- und Informatikkurs erzielen mit Sicherheit ein besseres Ergebnis, wenn sie eng zusammenarbeiten, jeder lernt etwas von den anderen. (Die einen etwas Technik, die andere, daß es nicht Standart heißt und mit welchen Problemen der Laie bei der Dokumentation kämpft.) Aber im Ernst, eine Übersetzung ohne Fachkenntnisse ist meistens nicht so optimal. Wer erinnert sich nicht an die Lateinübersetzungen, in denen Caesar irgendwelche ,,Gesandten'' zu irgendwelchen obskuren Orten in Gallien schickte, leider handelte es sich bei diesen ,,legati'' dann um den Befehlshaber einer Legion.

Auch ließe sich durchaus ein Kunstkurs zur Gestaltung von Logos, Icons oder Webseiten hinzuziehen.

(Bei einer Veranstaltung die einige LUGs in der Umgebung in einer Berufsschule abhalten durften, wurden von einer Schneiderklasse entsprechende Transparente gestaltet.)

Mit all diesen Aktivitäten ließe sich auch der inzwischen wohl obligatorische Internetzugang der Schule wirklich sinnvoll nutzen. Zunächst muß ein Projekt ausgewählt werden. Dann muß die interne Projektseite mit der auf dem Projektserver synchronisiert werden und alle Beteiligten (weltweit) müssen regelmäßig über Veränderungen informiert werden. Außerdem ist eine Abstimmung zwischen den verschiedenen Projektteams weltweit nötig.

Die immer wieder erhobene Forderung nach interdisziplinären Arbeiten ließe sich hier, in einem Bereich der Zukunftstechnologie gut umsetzen. Und zwar nicht in zweckfreien Spielereien, die anschließend bestenfalls in einer Vitrine verstauben, sondern in echten Projekten, die weltweit benutzt werden.

(Wäre doch eine tolle Visitenkarte für eine Schule: ,,Das XYZ-HOWTO und seine deutsche Übersetzung werden von der XX-Schule in YYY betreut.'')
Sollte in einer Schule ein neues Projekt angefangen werden, so ist es eigentlich zwingend erforderlich, daß dieses Projekt unter eine freie Lizenz gestellt wird, um auch späteren Schülergenerationen die Möglichkeit zu geben, daran weiterzuarbeiten.

2.4  Übliche Einwände gegen den Einsatz von freier Software

Ein weiterer Einwand gegen den Einsatz freier Software ist häufig: ,,Aber alle Welt verwendet MS-Office.'' Nun, das ist im Augenblick noch richtig, aber man muß einmal sehen, was den Schülern am Computer beigebracht werden soll. ,,Wenn Du eine Seite formatierst, mußt Du nicht bei Format klicken, sondern bei Datei'' ...,,Wieso?'' ,,Das ist nunmal weltweit Standard.''

Oder lieber doch das Konzept, wie ein Computer funktioniert? Also, was ist eine Datei, wie funktioniert ein Dateisystem, wieso kann ich nicht mit jeder Anwendung jede Datei öffnen, wie strukturiere ich Dokumente. (Ich sehe es immer wieder an neuen Mitarbeitern, daß diese Grundlagen fehlen, es wird in der Schule teilweise wirklich nur gelernt wie man klickt. Aber nicht, daß man ein Dokument logisch gliedern sollte und das Aussehen, also die konkrete Formatierung, dann vom Computer übernommen wird.)

Wenn man sich von diesem Auswendiglernen von Mausklicks wegbewegt, verliert das Argument erheblich an Schlagkraft. Außerdem muß man sich das Zielpublikum ansehen. Eine Berufsschule, die Bürokaufleute ausbildet mag mit MS-Office tatsächlich den Alltag der Schüler abbilden. Eine 10te Klasse am Gymnasium bildet mit so etwas sicherlich falsch aus, da bis zum Berufs- oder sogar nur Studienanfang der Schüler mehrere neue Versionen erschienen sein werden, die nur teilweise miteinander kompatibel sein werden. Alle erwähnten Schüler sind mit Grundlagenkenntnissen wesentlich besser bedient, für die Berufsschüler in diesem Beispiel mag noch ein kurzzeitiger Nutzen aus der reinen Anwendungsschulung resultieren, aber auch diese sind mit Grundlagen besser für die weitere Zukunft und das weitere unausbleibliche Lernen gerüstet.

Überträgt man das Argument, MS-Office benutze schließlich jeder, daher müsse die Schule das auch lehren, auf einen anderen Bereich, so wird die Absurdität deutlich. Ohne Führerschein kommt heute auch fast keiner mehr aus, trotzdem wird dieser nicht in der Schule gemacht. Allerdings trifft dieser Vergleich auch nur bedingt zu, denn wenn die Argumentation mit MS-Office stimmen würde, so müßte der Führerschein auch auf einer bestimmten Automarke gemacht werden und anschließend dürfte man auch nur mit dieser fahren.

Wenn man unbedingt Kompatibilität zu MS-Office braucht, so gibt es auch ausreichend Import- und Exportfilter, mit denen man arbeiten kann. Letztlich ist aber das Fördern bestimmter, unfreier, Dateiformate eine unerträgliche Zwangslage für die Schüler, denn nicht alle können sich MS-Office leisten und werden so zu Raubkopierern. In Bildungseinrichtungen dürften Dokumente eigentlich nur in freien Formaten verlangt werden, um den Schülern die Wahlmöglichkeit zu lassen. Schließlich dürfen die Schüler auch mit beliebigen Fahrzeugen zur Schule kommen oder ihr Heft frei wählen.

Vielfach fehlt der Schule das nötige Wissen, um eine freie Rechnerlandschaft aufzubauen, hier wird jedoch jede Schule von verschiedenen Organisationen unterstützt. Und langfristig ist in ein Unix-Netzwerk weniger Arbeit zu investieren als in Windows-Netze, da Unix stabiler läuft, weniger von den Schülern kaputtgemacht werden kann und nicht zuletzt auch eine Fernwartung über langsame Modemverbindungen möglich ist und man so auch mal externe Hilfe erhalten kann, ohne daß jemand anreisen muß. Um auch nochmal auf die Kosten zurückzukommen, die gesparten Lizenzgebühren können zur Anschaffung weiterer Hardware oder für externe Dienstleistungen herangezogen werden.

3  Fazit

Der Einsatz von freier Software hat neben den Kosten und Stabilitätsvorteilen auch den Vorteil, daß sinnvolle Projekte sogar fächerübergreifend verwirklicht werden können.

Nun sind die geschilderten Szenarien sicherlich nicht an jeder Schule umsetzbar, doch wird allein schon durch die Benutzung freier Software im Unterricht eine Diskussion zu den genannten Punkten in Gang kommen. ,,Warum sieht das nicht so aus wie Windows XX ?'' (Kann es übrigens auch, Tests bei mir in der Firma ergaben, daß 100% der Befragten fvwm95 für eine englische Version von Windows NT hielten, wobei natürlich auch eine deutsche Anpassung möglich wäre.) ,,Wieso läuft auf dem alten 486er noch die Software?'' (Tut es gar nicht, der dient nur als dummes X11-Terminal für unseren großen Pentium im Rechnerraum) Es sollte zumindest über freie Software als Alternative zu herkömmlichen Programmen gesprochen und nach Möglichkeit auch angeboten werden.

4  Adressen




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On 9 Mar 2001, 19:53.